AMERICAN HEROS

4 Künstler/innnen aus Frankfurt treten mit 6 amerikanischen Künstler/innen in Dialog

Kuratiert von Sarah Schoderer und Jochem Hendricks

William Anastasi (*1933 †2023, New York)

Jo Baer (*1929 †2025, Amsterdam)

Viola Bittl (*1980, Frankfurt)

Dan Christensen (*1942 †2007, New York)

Joanne Greenbaum (*1953, New York)

Jochem Hendricks (*1959, Frankfurt)

Gary Kuehn (*1939, New York)

Jens Lehmann (*1968, Frankfurt u. Offenbach)

Brice Marden (*1938 †2023, New York)

Sarah Schoderer (*1984, Frankfurt)

Die amerikanische Avangarde der 1950er und 1960er Jahre in New York bildet bis heute eine wesentliche Referenz für alle nachfolgenden Generationen von Künstler/innen weltweit. Die Erfindungen von Abstraktem Expressionismus, Minimal, Concept und Pop Art haben die Kunstgeschichte massgeblich beeinflusst.

Darauf bezieht sich die Ausstellung „American Heroes“, wobei alle fünf amerikanischen Künstler/innen einschneidende Erfindungen gemacht haben und sehr bekannt sind, im Vergleich zu den Superstars der Epoche allerdings noch knapp unter dem Radar fliegen. William Anastasi ist einer der Erfinder der ersten Stunde von Minimal und Concept Art, der mit radikalen Material- und Medienexperimenten zu den Pionieren seiner Generation zählt und von Kenner/innen auch als solcher wahrgenommen wird. Im Vergleich z.B. zu seinem berühmten Zeitgenossen Bruce Naumann aber ist er wenig bekannt. Trotzdem hat Anastasi vieles um Jahre vorweggenommen, womit Naumann oder Richard Serra dann berühmt wurden. Ähnlich ist die Lage auch bei Jo Baer, Dan Christensen, Gary Kuehn und Joanne Greenbaum. Ihre Bedeutung schmälert das nicht.

Wir stellen nun diesen fünf Koryphäen der Kunstgeschichte Künstler/innen aus Frankfurt gegenüber, die Bezüge zu unseren amerikanischen Künstler/innen haben. Das kann die formale oder auch die inhaltliche Ebene betreffen und die künstlerische Haltung.

Jens Lehmann studierte von 1991 bis 1997 an der Städelschule bei Per Kirkeby und Georg Herold. Seine Malerei entwickelte sich nach dem Studium weg von der Gegenständlichkeit hin zu rein abstrakten Bildern, die sich mit Farbflächen und deren räumlicher Schichtung beschäftigen. Um diesen Ansatz zu forcieren, wechselte er auf Glas als Bildträger und erzeugt so Gemälde, die ihren Aufbau transparent machen. Diese Art der Bildgestaltung setzt ihn in Beziehung zu Dan Christensen, einem amerikanischen Maler, der ab den 1960er Jahren einer der Pioniere der neuen Abstraktion in New York war.

Sarah Schoderer studierte von 2007 bis 2011 an der Städelschule bei Prof. Christa Näher. Sie ist eine interdisziplinär arbeitende Malerin, die ästhetische und soziale Themen erforscht. Ihre aktuellen Arbeiten reflektieren die Entwicklung der visuellen Wahrnehmung im digitalen Zeitalter, in dem sie digitale und analoge Ästhetik verbinden. Dabei spielen Farbe und Licht eine zentrale Rolle.

Jochem Hendricks studierte von 1980 bis 1985 an der Städelschule und lebte Sein neo-konzeptuelles Werk basiert auf einem starken Interesse an künstlerischen Strategien. Seine Praxis ist medienübergreifend und reicht von Plastik und Skulptur über Fotografie, Film, Text und digitalen Medien bis zu Malerei und Zeichnung. Eine wesentliche Rolle spielen bei seinen sich meist über Jahre erstreckenden Projekten kooperative Strategien auf der Basis eines ständig wachsenden, globalen Netzwerks. Viele seiner Arbeiten beziehen sich die amerikanische Avangarde sowohl der Minimal und Konzept Kunst der 1960er und 1970er Jahre als auch der neokonzeptuellen Strategien, die Mitte der 1980er Jahre mit Künstlern wie Jeff Koons, Ashley Bickerton oder Peter Nagy aufkamen.

Viola Bittl studierte von 2004 bis 2008 in München bei Prof. Sean Scully und von 2008 bis 2011 an der Städelschule bei Prof. Christa Näher. Sie gehört zu den markantesten Malerinnen ihrer Generation in Deutschland. Ihre Bildwelt ist die „amerikanischste“ in unserer Ausstellung und wahrscheinlich in Frankfurt überhaupt. Sie verbindet in ihren meist grossformatigen Gemälden den Gestus und die grosszügige Flächengestaltung der amerikanischen Abstraktion New Yorker Schule der 1980er Jahre, von Künstlerinnen wie Susan Frecon oder Mary Heilmann, mit aktuellen Entwicklungen in der Malerei und kommt dabei zu unverwechselbaren Ergebnissen. Ihre Herangehensweise ans Malen und ihr Umgang mit dem Material haben ebenso eine Verwandtschaft mit Gary Kuehn, wie beider Haltungen zu den theoretischen und materiellen Grundlagen von Kunstwerken und deren Produktionsprozessen.

 
 
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